Jahreshauptversammlung 2024

von | 09. Mai 2025

So geht’s auch: Keine 20 Minuten haben die Mitglieder der Altenberger Wirtschaftsinitiative benötigt, um die Formalien, die jeder Verein in seiner Jahreshauptversammlung abarbeiten muss, durchzupauken. Darunter auch so Zeitfresser wie Wahlen zum Vorstand und der rückblickende Jahresbericht des Vorsitzenden. Denn: Die Diskussion der Bürgermeister-Kandidaten war der Höhepunkt der Jahreshauptversammlung der Wirtschaftsinitiative. Die wichtigste Personalie aus der Versammlung am vergangenen Donnerstag im Saal Bornemann:
Norbert Fieke bleibt Erster Vorsitzender, sein Stellvertreter heißt jetzt Lukas Multhoff. Sabrina Nebel übernahm das Amt der Kassiererin. Und als Beisitzer stehen Martin Fieke, Paul Everding, Alain Thiemann, Steffen Niestegge, Stephan Weidlich und Jens Fastermann Gewehr bei Fuß. Alle Wahlen gingen einstimmig aus. Das WIA-Leitungsgremium verlassen haben Beatrix Zeisberg, Carsten Börger, Christian Iker und Sebastian Nebel. Letzterer erhielt für seine Brückenfunktion zur Gemeindeverwaltung ein besonderes Dankeschön.
Wie Vorsitzender Norbert Fieke in seinem Vortrag erläuterte, hat die WIA neun neue Mitgliedsfirmen. Beim Blick zurück auf 2024 betonte er, dass es beim Oktoberbergfest nicht bei der Premiere bleiben wird. Christian Iker will die Freiluft-Party auf dem Marktplatz auch in diesem Jahr organisieren. Das Unternehmerfrühstück bezeichnete Fieke als Erfolg. Die gute Beteiligung zeige: „Das hat voll gezündet.

Fairer Parforceritt

Den ersten Aufmerksamkeitspunkt, den machte Karl Reinke. Der 68- Jährige geht bei der Kommunalwahl nicht als Bürgermeister-Bewerber der Grünen ins Rennen, sondern kandidiert als Unabhängiger aus dem Amt heraus. Am Donnerstagabend beließ es Reinke bei dieser Erklärung, tags drauf erläuterte er dieser Redaktion, was ihn zu dem Schritt bewogen hat: „Ich möchte Bürgermeister für alle Altenberger sein.“ Darum lasse er seine Mitgliedschaft bei den Grünen ruhen. Ärger mit der Partei stecke nicht hinter diesem Schritt. „Das habe ich allein für mich entschieden“, betonte der Amtsinhaber. Die Partei, die vor fünf Jahren mit Reinke erfolgreich ins Rennen gegangen war, akzeptiere die Kandidatur aus dem Amt heraus, wenngleich sie nicht begeistert sei. Trotzdem würden die Grünen ihn im Wahlkampf unterstützen. Diese Nachricht spielte im weiteren Verlauf des Abends dann aber keine Rolle mehr.

Karl Reinke stand erstmalig seinem Kontrahenten Jan Röschenkämper auf offener Bühne gegenüber, der bekanntlich auf dem Schild der CDU ins Altenberger Rathaus einziehen möchte. Souverän moderiert von Volksbank- Vorstand Dietmar Dertwinkel, standen bei der Diskussion Wirtschaftsthemen im Vordergrund. Was nur logisch war, weil Gastgeber die Wirtschaftsinitiative Altenberge war. Die hatte ihre Jahreshauptversammlung mit diesem außergewöhnlichen Tagesordnungspunkt gehörig aufgepimpt. Mit dem Ergebnis, dass es einige Neumitglieder gab, die kurz vorher nur in die WIA eingetreten waren, um an dieser Podiumsdiskussion im Saal Bornemann teilnehmen zu können. Wer da jetzt Krawall erwartet hatte, wurde enttäuscht. Beide Kandidaten pflegten einen fairen Umgang mit dem Gegenüber. Artig hielten sich Reinke wie Röschenkämper an die vorgegebene Redezeit von drei Minuten pro Antwort. Meistens jedenfalls. Weitere inhaltliche Überraschungen blieben aus. Die ausgetauschten Argumente und Streitpunkte sind aus dem Altenberger Rat bekannt. Warum Karl Reinke denn noch einmal antreten wolle, fragte Dietmar Dertwinkel zum Aufgalopp. „Ich habe so viel auf den Weg gebracht, das ich auch zu Ende führen möchte“, antwortete der Amtsinhaber. Er sieht die Gemeinde auf einem guten Stand. Und er selbst habe in den letzten fünf Jahren so viel gelernt, wie sonst noch nie in seinem Leben. Jan Röschenkämper stellte seine Kandidatur als logischen nächsten Schritt in seiner beruflichen Vita dar. Er habe Verwaltung von der Pike auf gelernt, zehn Jahre in Steinfurt Politik gemacht. „Da ist der Bürgermeister jetzt der Posten, den man sich wünscht.“Warum er im Falle seiner Wahl nicht nach Altenberge ziehen möchte, diese Frage beantwortete Jan Röschenkämper ebenfalls ausführlich. „Die Trennung von Wohn- und Dienstort ist keine Hürde“, so der 37-Jährige. Was er bieten könne: „Eine langfristige Perspektive für Altenberge.“ Baugebiet Bahnhofshügel, die überörtliche Wohnungsbaugesellschaft, Wirtschaftsförderung, Haushaltskonsolidierung.

Dietmar Dertwinkel startete mit den beiden Bewerbern um das höchste Amt im Dorf einen Parforceritt durch die Altenberger Kommunalpolitik. Überraschende Antworten gab es keine. Beispiel interkommunale Wohnungsbaugesellschaft. Karl Reinke hält sie für unverzichtbar, weil der öffentlich geförderte Wohnungsbestand auch nach dem Wegfall der Zuschüsse in Gemeindeeigentum bleibe und niedrige Mieten deswegen garantiert blieben. Jan Röschenkämper hielt dagegen, dass das Risiko, sich an so einer Gesellschaft zu beteiligen, viel zu groß sei. Und ob zwei Mitarbeiter das Arbeitspensum für sieben Kommunen schaffen könnten, sei mehr als fraglich. Nach gut eineinhalb Stunden gingen die Kontrahenten die schmale Treppe hinunter zurück in den Saal. Nicht ohne sich zuvor die Hand zu geben. Wie es Kandidaten in einem fairen Wahlkampf eben tun.

Inklusion bewegt Wirtschaft – Unternehmerabend der WIA mit Matthias Mester begeistert

„Der Abend war ein gelungener Auftakt für diese neue Veranstaltungsreihe, die mit dem Thema Inklusion bewegt Wirtschaft Mut machen soll, Vielfalt als Chance zu begreifen“, resümierte der Norbert Fieke als Vorstandsvorsitzender. „Wir möchten künftig regelmäßig Raum für Austausch, Denkanstöße und gutes Netzwerken bieten.“

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